Revisionsklappe feuerhemmend Österreich: ÖNORM EI-30 bis EI-120
Ein Hotelbetreiber in Salzburg ruft seinen Sachverständigen an: Der Bauträger hat in den Fluren der Gebäudeklasse 4 normale Revisionsklappen aus dem Baumarkt eingebaut. Der Brandschutzgutachter verweigert die Abnahme, weil keine EI-Klassifizierung vorliegt. Folge: 14 Klappen müssen ausgebaut, durch feuerhemmende Modelle nach ÖNORM EN 13501-2 ersetzt und protokolliert werden. Zusatzkosten rund 6 800 Euro, Eröffnung verschoben um drei Wochen.
Genau diese Situation entsteht regelmäßig, wenn Bauherren in Österreich Revisionsöffnungen in brandschutztechnisch klassifizierten Bauteilen planen, ohne die OIB-Richtlinie 2 und die ÖNORM B 3800-1 zu berücksichtigen. Eine feuerhemmende Klappe ist keine Standardkomponente mit anderem Etikett — sie ist ein geprüftes Bauteil mit dokumentierter Feuerwiderstandsdauer in Minuten, das die Schutzziele der Brandabschnitte aufrechterhält.
Dieser Beitrag erklärt, welche EI-Klasse für welche Gebäudesituation in Österreich vorgeschrieben ist, wie sich EI 30, EI 60, EI 90 und EI 120 in Konstruktion und Preis unterscheiden, wo der Unterschied zwischen ÖNORM B 3800-1 und EN 13501-2 liegt und welche Tempo-Brandschutzklappen welche Schutzklasse abdecken. Eine Übersicht über den grundlegenden Unterschied zwischen Revisionsklappe und Revisionsöffnung finden Sie in unserem Grundlagenartikel.
Was bedeutet feuerhemmend nach österreichischer Normenlage?
Der Begriff feuerhemmend ist in Österreich nicht beliebig austauschbar mit feuerbeständig oder hochfeuerhemmend. Hinter jeder Bezeichnung steht eine geprüfte Mindestfeuerwiderstandsdauer und ein konkretes Schutzziel. Wer die Begriffe verwechselt, baut das falsche Produkt ein und gefährdet die Bauabnahme.
ÖNORM B 3800-1: Brandverhalten von Baustoffen
Die ÖNORM B 3800-1 klassifiziert Baustoffe nach ihrem Brandverhalten in die Klassen A bis F (vormals A1, A2, B, C, D, E, F nach EN 13501-1). Klasse A1 ist nicht brennbar, F entzündet sich spontan. Diese Norm regelt das Material — sie sagt nichts über die Bauteilkonstruktion.
Eine Revisionsklappe besteht aus mehreren Komponenten: Rahmen (meist verzinkter Stahl oder Aluminium A1), Dämmkern (Brandschutzplatten Klasse A1 oder A2-s1,d0), Beplankung (Gipsfaserplatte, befliesbar) und Beschlag. Erst die Kombination aller Komponenten ergibt die geprüfte EI-Klasse. Hersteller müssen für jede Konstruktion ein klassifiziertes Verwendbarkeitsnachweis nach EN 13501-2 vorlegen.
EN 13501-2 und die EI-Klassifizierung
Die EN 13501-2 ist die europäische Klassifizierungsnorm für die Feuerwiderstandsdauer von Bauteilen. Der Code besteht aus zwei Kriterien plus einer Zahl:
- E (Étanchéité): Raumabschluss — die Klappe verhindert den Durchtritt von Flammen und heißen Gasen
- I (Insulation): Wärmedämmung — die Rückseite erhitzt sich nicht über 140 K im Mittel oder 180 K punktuell
- Zahl: Mindestdauer in Minuten unter Normbrandkurve nach EN 1363-1
EI 30 bedeutet also: Die Klappe hält Raumabschluss und Wärmedämmung mindestens 30 Minuten unter Normbrandbelastung. EI 90 schafft 90 Minuten. Die alten Bezeichnungen F30, F60, F90 nach DIN 4102-2 sind in Österreich noch in Bestandsobjekten zu finden, im Neubau aber durch die EI-Klassen ersetzt.
OIB-Richtlinie 2 — die österreichische Brandschutz-Grundlage
Die OIB-Richtlinie 2 in der aktuellen Fassung regelt den Brandschutz für alle Hochbauten in Österreich. Sie definiert fünf Gebäudeklassen (GK 1 bis GK 5) und schreibt für tragende und raumabschließende Bauteile minimale Feuerwiderstandsdauern vor. Diese Anforderungen gelten 1:1 auch für jede Öffnung in diesen Bauteilen — also auch für Revisionsklappen.
Tabelle: Mindestanforderungen nach OIB 2 für Revisionsklappen in Wänden und Decken:
| Gebäudeklasse | Tragende Bauteile | Trennwände | Revisionsklappe min. |
|---|---|---|---|
| GK 1 (Einfamilienhaus) | R 30 | — | meist EI 30 |
| GK 2 (Reihenhaus, kleines Mehrfamilien) | R 30 | EI 30 | EI 30 |
| GK 3 (bis 7 m Fluchtniveau) | R 60 | EI 60 | EI 60 |
| GK 4 (bis 22 m Fluchtniveau) | R 90 | EI 90 | EI 90 |
| GK 5 (über 22 m, Hochhaus) | R 90/REI 90 | EI 90 | EI 90 oder höher |
In Sonderbauten gelten erweiterte Anforderungen — dazu mehr in einem späteren Abschnitt.
Unterschiede EI 30, EI 60, EI 90 und EI 120 in der Praxis
Die EI-Klasse bestimmt nicht nur die Schutzzeit, sondern auch Aufbauhöhe, Gewicht, Beschlag und Preis. Ein realistischer Vergleich macht die Auswahl planbar.
EI 30 — Standard für Wohnungsbau
EI 30 ist die typische Klasse für Wohnungstrennwände in GK 2 und GK 3, für abgehängte Decken über Wohnräumen und für Schächte in Mehrfamilienhäusern, die in jedes Geschoss münden. Die Konstruktion: einlagige Brandschutzplatte 25 bis 35 mm Dicke, Stahlrahmen 0,8 mm verzinkt, Magnetverschluss oder Vierkantschloss. Aufbauhöhe rund 50 mm.
Eine konkrete Tempo-Lösung ist die Brandschutzklappe UniSpace 30 mit geprüfter EI-30-Klassifizierung nach EN 13501-2. Sie eignet sich für GKB-Schachtwände und abgehängte Decken in Wohngebäuden. Preisrahmen 180 bis 320 Euro je nach Größe und Beschlag.
EI 60 — der Mittelweg für GK 3
EI 60 deckt die meisten Anwendungen in GK 3 ab: Treppenhauswände in Reihenhäusern, Wohnungsabschlusswände in Mehrfamilienhäusern bis sieben Meter Fluchtniveau, Decken über Tiefgaragen mit weniger als 100 Stellplätzen. Die Aufbauhöhe steigt auf 60 bis 75 mm, das Gewicht je nach Größe um 30 bis 50 Prozent gegenüber EI 30.
Die UniSpace-Baureihe in der 60/90-Variante kombiniert beide Klassen in einer Konstruktion — der Hersteller passt nur die Dämmplattenstärke an. Das vereinfacht Planung und Logistik, weil ein Klappentyp in zwei Schutzklassen verfügbar ist.
EI 90 — Pflicht in GK 4 und gewerblichen Bauten
EI 90 ist die Mindestanforderung für Wohnungstrennwände in GK 4 (Bürogebäude bis 22 m Fluchtniveau, größere Wohnanlagen), für Brandwände nach OIB 2 Abschnitt 3.7 und für Decken über Tiefgaragen ab 100 Stellplätzen. Der konstruktive Mehraufwand: zweilagiger Plattenaufbau (zweimal 25 mm Brandschutzplatte oder einmal 50 mm), Spezialbeschlag mit Druckverschluss, oft kombiniert mit Rauchdichtung nach EN 1634-3.
Die Brandschutz-Revisionsklappe EI90 Softline eignet sich für hochbeanspruchte Lagen — auch im Decken-Boden-Übergang von Geschossdecken. Aufbauhöhe rund 85 mm. Preisrahmen 380 bis 720 Euro.
EI 120 — Sonderfall für Hochhäuser und Sonderbauten
EI 120 ist in Österreich kein Standard für Wohnbau. Sie tritt in zwei Konstellationen auf: Hochhäuser nach OIB 2.3 mit Fluchtniveau über 22 m und Sonderbauten wie Krankenhäuser, Pflegeheime oder Versammlungsstätten mit erhöhter Personendichte. Die Konstruktion benötigt drei- bis vierlagige Plattenpakete, oft mit zusätzlicher Stahlmantelung. Aufbauhöhe ab 110 mm. Diese Klappen sind Sonderanfertigungen — Standardprodukte mit EI 120 sind am Markt selten.
Wo werden welche Klappen eingesetzt? Geltungsbereich nach Bauteil
Die EI-Klasse leitet sich vom umgebenden Bauteil ab. Eine Klappe in einer F30-Wand darf nicht schlechter sein als die Wand selbst. Drei typische Einbauorte im Detail:
Trockenbau-Schachtwände
Bei Steigschächten für Sanitär-, Elektro- und Lüftungsleitungen verlangt die OIB 2 Abschnitt 3.3 eine Feuerwiderstandsdauer entsprechend dem höchsten Schutzziel im Schacht. In Wohngebäuden meist EI 30, in Bürogebäuden ab GK 4 EI 90. Die Klappe muss bündig in die Beplankung integriert sein — Sichtspalten dürfen nicht über 2 mm sein, weil sonst Heißgase durchziehen.
Abgehängte Decken über Fluchtwegen
Fluchtwege sind nach OIB 2 Abschnitt 5 besonders sensibel. Klappen in deckenseitigen Brandabschnitten über Fluchtwegen brauchen mindestens EI 60, häufig EI 90. Die Detailfrage Revisionsklappe vs Revisionsöffnung wird hier besonders wichtig: Eine reine Revisionsöffnung ohne klassifizierte Klappe ist im Fluchtweg unzulässig.
Tiefgaragendecken und Versammlungsstätten
Tiefgaragen ab 100 Stellplätzen sind Sonderbauten mit erhöhtem Brandrisiko durch Kfz-Brandlasten. Decken über Tiefgaragen verlangen REI 90 (Tragfähigkeit, Raumabschluss, Wärmedämmung). Revisionsklappen in diesen Decken müssen ebenfalls EI 90 nachweisen — meist als kombinierte Boden-/Deckenklappe mit umlaufender Rauchdichtung.
Bei kombinierten Anforderungen aus Brandschutz und Luftdichtheit eignet sich die Alustar EI30 luftdicht/rauchdicht für abgehängte Decken — ein häufig nachgefragtes Sondermodell.
Sonderfälle — Tiefgaragen, ERP-Bauten und Krankenhäuser
Die Standard-OIB-Anforderungen sind die Untergrenze. In drei Sonderbau-Typen gelten zusätzliche Regeln, die regelmäßig zu Planungsfehlern führen.
Tiefgaragen über 1 000 m² Nutzfläche
Garagen über 1 000 m² fallen in die Garagenverordnung der Landesbauordnungen und benötigen zusätzlich Brandabschnitte alle 1 600 m². Revisionsklappen in den abschnittsbildenden Wänden brauchen EI 90 mit zusätzlicher Rauchdichtheit nach EN 1634-3 (Sa nach S200). Standardprodukte ohne Rauchdichtung sind hier unzulässig.
ERP-Bauten (Établissements recevant du public)
Versammlungsstätten in Österreich nach OIB 2 Abschnitt 5.6 (Theater, Kinos, Schulen, Veranstaltungssäle) haben verschärfte Anforderungen an Rettungswege. Klappen in Bühnenhausabtrennungen, in Foyers und in Rettungswegdecken brauchen EI 90 bis EI 120, abhängig von der Personenkapazität.
Krankenhäuser und Pflegeheime
Beherbergungsbetriebe mit Pflege fallen nach OIB 2 Abschnitt 5.4 unter Sonderbauten. Brandabschnitte werden alle 30 m statt 40 m gesetzt, Klappen in den Trennwänden zu Pflegestationen verlangen EI 90 plus Rauchdichtung. In Operationssaaltrakten ist häufig EI 120 vorgeschrieben — hier hilft nur eine Sonderanfertigung mit individueller Prüfung.
Tempo Brandschutzklappen — drei EI-Klassen im Sortiment
Tempo führt das vollständige Brandschutzprogramm für Revisionsklappen in den drei relevanten EI-Klassen. Alle Modelle sind nach EN 13501-2 klassifiziert und mit Verwendbarkeitsnachweis dokumentiert.
Brandschutzklappe UniSpace 30 Minuten — EI 30 nach EN 13501-2, ideal für GK 2 und GK 3 (Reihenhaus, Mehrfamilienhaus bis 7 m). Einlagige Brandschutzkonstruktion, Aufbauhöhe rund 50 mm. Standardgrößen 200×200 bis 600×600 mm. Brandschutzklappe UniSpace 30.
Brandschutzklappe UniSpace 60/90 Minuten — Modulare Konstruktion in EI 60 und EI 90, deckt GK 3 und GK 4 vollständig ab. Dieselbe Außenkontur, unterschiedliche Plattenstärke — vereinfacht Lagerhaltung. Aufbauhöhe 60 bis 85 mm. Brandschutzklappe UniSpace 60/90.
Brandschutz-Revisionsklappe EI 90 Softline — EI 90 mit gedämpftem Schließverhalten und Druckverschluss. Für hochbeanspruchte Lagen in GK 4 und GK 5. Sonderausführung mit Rauchdichtung verfügbar. Aufbauhöhe 85 mm. Brandschutz-Revisionsklappe EI90 Softline.
Für Sondergrößen außerhalb der Standardabmessungen prüfen Sie unser Maßanfertigung-Programm mit Online-Angebot — alle drei EI-Klassen sind auch als Maßanfertigung erhältlich.
FAQ — Häufige Fragen zu feuerhemmenden Revisionsklappen in Österreich
Welche EI-Klasse brauche ich in einem Einfamilienhaus?
In Gebäudeklasse 1 fordert die OIB 2 für tragende Bauteile R 30. Revisionsklappen in den entsprechenden Wänden oder Decken brauchen mindestens EI 30 nach EN 13501-2. Für nicht-tragende Trennwände in GK 1 ist meist keine Klassifizierung erforderlich — Ihr Brandschutzgutachter prüft das im Einzelfall.
Was ist der Unterschied zwischen F30 und EI 30?
F30 ist die alte Klassifizierung nach DIN 4102-2 und ÖNORM B 3800-2. EI 30 ist die aktuelle europäische Klassifizierung nach EN 13501-2. Inhaltlich entsprechen sich die Mindestdauern, die Prüfverfahren wurden harmonisiert. Im Neubau in Österreich werden seit der OIB 2-Novelle nur noch EI-Klassen geprüft und zugelassen.
Brauche ich für eine EI-90-Klappe einen Sachverständigen?
Die Klappe selbst wird durch das Klassifizierungszeugnis des Herstellers nachgewiesen. Der Einbau muss aber so erfolgen, dass die EI-Klasse nicht verloren geht — also mit der vorgeschriebenen Spaltdichtung, dem korrekten Anschluss an die umgebende Konstruktion und der dokumentierten Montagereihenfolge. Bei Sonderbauten oder GK 5 verlangt die Bauaufsicht regelmäßig eine Bestätigung durch einen Brandschutzsachverständigen.
Kann ich eine Brandschutzklappe selbst nachträglich einbauen?
Der nachträgliche Einbau ist technisch möglich, erfordert aber besondere Sorgfalt: Die Öffnung muss exakt nach den Vorgaben des Herstellers ausgeschnitten werden, die Spaltdichtung muss umlaufend funktionieren, und Sie brauchen ein Einbauprotokoll mit Datum, Klappentyp und EI-Klasse. Bei klassifizierten Bauteilen empfiehlt sich die Ausführung durch einen Fachbetrieb mit Brandschutzqualifikation.
Welche Wartung braucht eine feuerhemmende Revisionsklappe?
Die ÖNORM B 8131 und die Herstellerangaben fordern eine jährliche Sichtprüfung: Dichtung intakt, Beschlag funktionsfähig, Spaltmaße innerhalb der Toleranz nach Klassifizierungszeugnis. Eine spezielle wiederkehrende Prüfung wie bei Brandschutztüren ist für Revisionsklappen in Österreich nicht generell vorgeschrieben — kann aber für Sonderbauten in der Brandschutzordnung festgelegt werden.
